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Scrollmania

Scrollmania Martijn Rondel

Scrollmania beginnt mit Online Mayhem, einer musikalischen Darstellung der Unruhe des endlosen Scrollens. Vom allerersten Takt an windet sich das Hauptmotiv durch das Stück und erscheint ständig in neuen Gestalten. Die Musik ist sprunghaft, intensiv und immer in Bewegung. Hohe, schrille Cluster rasen vorbei und klingen wie bedeutungsloser Lärm aus einer überreizten digitalen Welt. Gelegentlich, wie in T. 18, scheint die Zeit stillzustehen. Doch das Gefühl des Feststeckens hält nie lange an. Der Strom fließt unaufhaltsam weiter.
In T. 60 dringen Fragmente von Social Media durch die Handys der Musiker ins Ensemble ein. Diese Klänge bilden eine dünne, aber unausweichliche Geräuschschicht über der orchestralen Textur. Das schnelle Tempo spiegelt die Dringlichkeit wider, mit der wir ständig neue Reize suchen. Schließlich führt das Scrollen zur Desorientierung, während Taktarten kollidieren und ein Walzer in einen Marsch wechselt.
Zwischen clownesken Episoden und turbulenten Passagen schreiender Energie entsteht eine Welt, die niemals zur Ruhe kommt.
Ab T. 137 verschiebt sich die Perspektive zu dem Nutzer, dessen Handy-Akku zur Neige geht. Die große Trommel wird zu einem Herzschlag, der immer unruhiger wird. Die Musiker greifen erneut zu ihren Handys, scannen einen QR-Code und fügen neue Klänge hinzu. Durch Klanglandschaften, Sinusgeneratoren und Google Music Lab entsteht eine ungewöhnliche Klangwelt, als würde sich die Realität selbst zu verformen beginnen.
Im Blech klingen pulsierende Achtel wie aufsteigende Panik. Multiphonics stellen das unruhige Chaos im Inneren des Nutzers dar. In T. 167 erscheint eine vorsichtige Vorahnung des Themas aus Teil drei: ein Funken Hoffnung, ein Schimmer von Ruhe.
Doch leider ist die Hoffnung nur von kurzer Dauer. Ab T. 171 stürzen wir in den verzweifelten Geist eines Menschen, der ein Ladegerät sucht, das nicht zu finden ist. Fragmente des Anfangsmotivs kehren zurück, nun aber unter zunehmendem Druck und wachsender Angst. In T. 194 taucht ein Anflug von Wut auf, und in T. 198 bleibt fast nichts mehr übrig außer dem Herzschlag. Ein Moment völliger Erschöpfung: Der Nutzer steht still, verloren und kurz davor aufzugeben.
Wieder erzeugen die Musiker Sinustöne, die sich langsam mit den Klarinetten synchronisieren, als würde sich der innere Lärm für einen Augenblick auszurichten versuchen. Die Zeit verlangsamt sich, der Widerstand schwindet. Doch am Ende gewinnt die Sucht: Ab T. 235 kehrt die Unruhe mit voller Wucht zurück. Die Multiphonics kommen wieder, als würde das Gehirn selbst unter dem Druck aufschreien.
In T. 248 ist der Wahnsinn vollkommen. Alles zerfällt. Nichts hilft.
In T. 270 sinkt der Nutzer aufs Bett völlige Kapitulation. Erschöpfung. In den tiefen Holzbläsern hallen Reste des Chaos nach, und die Tuba brummt wie ein nachklingender Gedanke. Dann brechen zwei Saxofonakkorde in den Raum wie Sonnstrahlen ein Funken Helligkeit.
In T. 281 ertönt erneut ein schwacher Klingelton im Inneren des Nutzers. Dann öffnet sich der Weg zu Teil drei: ein neues, hoffnungsvolles Thema, noch immer leicht von Unruhe gefärbt. Allmählich wird das Licht stärker. Draußen scheint die Sonne. Der Nutzer blickt aus dem Fenster und erkennt, wie schön die Welt wirklich ist.
In T. 297 versucht er, fast aus Gewohnheit, noch einmal online zu gehen, doch in T. 301 hören wir, dass er sich entscheidet hinauszugehen. Er spürt den Wind. Er geht durch den Park. Er möchte tanzen, traut sich aber noch nicht ganz. Er sieht echte Menschen auf einer Bank sitzen und sagt tatsächlich Hallo. Ein kleiner Sieg.
Bei T. 340 sitzt er selbst auf dieser Bank. Menschen gehen vorbei. Kinder spielen. Vögel. Der Wind in den Bäumen. Und die Erkenntnis erwacht: Wie konnte er so lange ohne all das leben?
Offline zu sein erweist sich als unerwartet schön.
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Produktinformation
Bestellnummer: 227048
Schwierigkeitsgrad: 5
Dauer: 10:40 min
Seiten: -
Verlagsnummer: TIER 100323
EAN: 4025511555180
Komponist: Martijn Rondel
Arrangeur: -
Verlag: Tierolff Muziekcentrale
Besetzung: Blasorchester Noten / Concert Band

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